Eine neue Studie widerspricht den gängigen KI-Untergangsszenarien: Künstliche Intelligenz vernichte kaum Arbeitsplätze, aber verändere viele Jobs fundamental. Die Wissenschaftler drängen deshalb Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen zu weitreichenden Schritten in Aus- und Weiterbildung.
Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt – allerdings anders, als viele Befürchtungen nahelegen. Das zeigt zumindest eine neue international angelegte Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW): Danach bleibt trotz schneller KI-Verbreitung in vielen Branchen die große Welle der Massenarbeitslosigkeit aus. Stattdessen stehe aber ein grundlegender Umbau der Arbeitswelt bevor, der Tätigkeiten, Qualifikationen und Karrierewege neu ordnet. Und es passiere schneller, als viele Organisationen darauf vorbereitet sind, so die Forscher.
Untersucht wurden Arbeitsmarktdaten aus mehreren europäischen Ländern über mehr als ein Jahrzehnt. Das Ergebnis: Die Gesamtbeschäftigung bleibt stabil, doch die Inhalte der Arbeit verschieben sich deutlich. Routinen verlieren an Bedeutung, analytische, kommunikative und kreative Aufgaben gewinnen an Gewicht. KI ersetzt demnach weniger ganze Berufe als einzelne Arbeitsschritte und verändert damit das Profil vieler Jobs von Grund auf.
Besonders betroffen sind Tätigkeiten mit hohem Standardisierungsgrad, etwa in Verwaltung, Buchhaltung oder einfachen Serviceprozessen. Gleichzeitig steigt in Unternehmen, die KI einsetzen, der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die Systeme steuern, Ergebnisse einordnen und Prozesse weiterentwickeln können. Arbeit wird damit nicht weniger, sondern anspruchsvoller.
Die Studie beschreibt KI als Beschleuniger eines Trends, der bereits vor der breiten Einführung generativer Systeme begonnen hat: Arbeit wird fluider, weniger linear und stärker wissensbasiert. Der entscheidende Faktor ist dabei Qualifikation. Wer sich weiterbildet, kann profitieren. Wer den Anschluss verliert, riskiert, dauerhaft abgehängt zu werden, so die Studienautoren
Für Unternehmen und Politik ergebe sich daraus eine klare Herausforderung:. Nicht der Erhalt einzelner Tätigkeiten steht im Vordergrund, sondern die Fähigkeit, Beschäftigte durch den Wandel zu begleiten. Weiterbildung, Umschulung und neue Lernmodelle werden damit zu zentralen Stellschrauben der Arbeitsmarktpolitik.
red