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Darum macht die Mehrheit nur Dienst nach Vorschrift

Gallup Engagement Index 2025

17. März 2026

Kein Bock auf die Extrameile: Die Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland erledigt ihre Arbeit ohne allzu großen Ehrgeiz und innere Überzeugung. Der aktuelle Gallup Engagement Index 2025 zeigt, warum das so ist, und wo die Ursachen wirklich liegen.

Ein normaler Arbeitstag in einem durchschnittlichen deutschen Unternehmen: Die Aufgaben werden erledigt, die Meetings absolviert, die E-Mails beantwortet. Doch der weitaus größte Teil der Beschäftigten reißt seine Arbeitszeit nur aus reiner Pflichterfüllung ab. Stattdessen herrschen Gleichgültigkeit und eine stille innere Distanz gegenüber den Zielen des Unternehmens. Denn nur ein Zehntel der Beschäftigten fühlt sich dem eigenen Arbeitgeber wirklich tief verbunden. Laut dem Gallup Engagement Index 2025 ist genau das der Normalzustand in der Mehrzahl der deutschen Betriebe.

Diese große Gruppe der emotional eher unbeteiligten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, bemerkenswerte 77 Prozent stark, erledigt ihre Aufgaben zwar zuverlässig, bringt sich jedoch darüber hinaus kaum über das erforderliche Maß ein. Weitere 13 Prozent der Beschäftigten gelten als innerlich gekündigt. Für Unternehmen hat diese Haltung sehr konkrete Konsequenzen: Für das Jahr 2025 schätzt Gallup die aus geringer oder fehlender Bindung resultierenden Produktivitätsverluste für die deutsche Wirtschaft auf bis zu 142 Milliarden Euro. 

Zwar liegt im Gegensatz dazu der Anteil der emotional hoch Gebundenen mit zehn Prozent leicht über dem Vorjahreswert von neun Prozent, bleibt aber deutlich unter früheren Niveaus. Der starke Rückgang der Vorjahre konnte damit zwar gestoppt werden, von einer Trendwende aber kann noch keine Rede sein. Marco Nink, Director of Research & Analytics von Gallup, bringt den Befund auf den Punkt: „Viel zu viele Beschäftigte in Deutschland arbeiten im Energiesparmodus, trotz insgesamt positiven Urteils über ihre Arbeitsbedingungen."

Auch der Zusammenhang zwischen emotionaler Bindung und Fehlzeiten ist messbar. Beschäftigte ohne Bindung waren im Jahr 2025 durchschnittlich 9,7 Tage krank, während hoch gebundene Mitarbeitende im Schnitt nur 5,7 Krankheitstage aufwiesen. Jeder Krankheitstag schlägt dabei im Durchschnitt mit rund 347 Euro zu Buche.

 

Fehlendes Engagement durch mangelhafte Führung

Die Suche nach den Ursachen dieser Probleme liefert keine einfachen Antworten. Denn die Studie macht deutlich: Mangelnde Bindung ist kein Symptom grundlegender Unzufriedenheit: 27 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrer Tätigkeit sogar äußerst zufrieden, weitere 47 Prozent sind zufrieden mit dem, was sie täglich tun. Auch die Arbeitssituation und die Arbeitsbedingungen werden von vielen als gut wahrgenommen. Doch all die als Vorteile genannten Benefits, flexiblen Arbeitsorganisationen und attraktiven Vergütungsmodelle allein erzeugen also keine Bindung.

Nink sieht hierin eine Schwäche der Führungskultur in deutschen Unternehmen: „Die Ergebnisse des Engagement Index legen nahe, dass es nur ein kleiner Teil der Führungskräfte versteht, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz kontinuierlich zu adressieren." Sein Urteil fällt deutlich aus: „Das ist kein Einstellungs-, sondern ein Führungsproblem."

Dabei zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass es anders geht. In der Corona-Pandemie erreichte die emotionale Bindung ihren historischen Höchststand. „Viele sind während der Pandemie näher an ihre Mitarbeitenden herangerückt, auch wenn der Kontakt häufig digital stattfand", so Nink. Führungskräfte hätten zugehört, regelmäßig informiert und den individuellen Bedürfnissen der Beschäftigten mehr Aufmerksamkeit geschenkt. „Dadurch entstand bei vielen Beschäftigten das Gefühl, gesehen und unterstützt zu werden. Sie haben echtes Interesse am Menschen hinter der Arbeitskraft gezeigt." In den darauffolgenden Jahren der wirtschaftlichen Krisen und geopolitischen Spannungen hingegen seien Mitarbeitende laut Nink „vom Aufmerksamkeitsradar gerutscht", weil Führungskräfte vor allem mit Krisenmanagement beschäftigt gewesen seien.

Wunsch nach Stabilität wächst

Interessant ist, was die Gallup-Studie jenseits der Bindungsquoten zutage fördert. Trotz der geringen emotionalen Bindung zeigt sich ein wachsender Wunsch nach Stabilität im Arbeitsverhältnis. Der Anteil der Beschäftigten, die sicher davon ausgehen, auch in einem Jahr noch bei ihrem aktuellen Arbeitgeber tätig zu sein, ist von 50 auf 56 Prozent gestiegen. Auch mittelfristig nimmt die Bleibeabsicht wieder leicht zu: Vier von zehn Beschäftigten können sich vorstellen, auch in drei Jahren noch im selben Unternehmen zu arbeiten. Wer dabei den stärksten Einfluss auf diese Entscheidung hat, ist laut Nink eindeutig: „Den größten Einfluss auf die Bleibeabsicht hat die direkte Führungskraft. Danach folgen Faktoren wie Weiterentwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, das wahrgenommene Interesse am Wohlergehen der Beschäftigten, eine gute Work-Life-Balance sowie die Bezahlung."

Parallel registriert die Studie eine wachsende Verunsicherung rund um künstliche Intelligenz. Jeder sechste Beschäftigte hält es inzwischen für wahrscheinlich, dass der eigene Arbeitsplatz innerhalb der nächsten fünf Jahre durch KI gefährdet sein könnte. Dabei ist die Technologie für die meisten längst keine Zukunftsperspektive mehr: Zwei Drittel der Befragten geben an, dass KI bereits in ihrem Arbeitsumfeld eingesetzt wird, und fast die Hälfte nutzt sie regelmäßig. Hier liegen laut den Studienautoren für Führungskräfte und HR-Verantwortliche in den kommenden Jahren die wichtigsten kommunikativen wie unternehmenskulturellen Herausforderungen.

Erstaunlich: Trotz allem überwiegt unter den Beschäftigten eine bemerkenswerte Gelassenheit gegenüber dem eigenen Marktwert. Insgesamt 74 Prozent gehen davon aus, im Falle eines Jobverlusts gute oder sehr gute Möglichkeiten zu haben, eine neue Stelle zu finden. Diese Zuversicht wird unter anderem durch den Fachkräftemangel und demografische Entwicklungen gestützt. Viele Befragte sind sich des Faktors bewusst, dass in den kommenden Jahren viele Beschäftigte der Babyboomer-Generation in den Ruhestand gehen.

red / RK / PM

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