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Verwaiste Chefsessel: Unternehmen finden immer schwerer Führungskräfte

Sorgen vor Arbeitsbelastung, Verantwortung und Folgen für das Privatleben

9. März 2026

Der Fachkräftemangel hat auch die Führungsetagen erreicht. In deutschen Unternehmen bleiben immer mehr Leitungspositionen unbesetzt. Eine aktuelle Studie zeigt: Zehntausende Führungskräfte fehlen, aber nur wenige Beschäftigte können sich vorstellen, so eine Rolle zu übernehmen. Für Unternehmen entwickelt sich daraus ein wachsendes strukturelles Problem.

Deutsche Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, Führungspositionen zu besetzen. Im Jahr 2025 fehlten im Durchschnitt 28.180 Fachkräfte in Führungsberufen. Das zeigt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft. Vakante Leitungsstellen wirken sich dabei häufig unmittelbar auf zentrale Geschäftsprozesse aus. Bleiben Führungspositionen länger unbesetzt, können Entscheidungswege langsamer werden, Verantwortlichkeiten verschwimmen oder Projekte ins Stocken geraten.

Es ist ein Problem nicht nur der obersten Ebenen: Die Statistik erfasst vor allem klassische Leitungsfunktionen, bei denen die Führungsaufgabe im Mittelpunkt steht. Teamleitungen oder Projektverantwortliche mit fachlicher Doppelrolle tauchen darin häufig nicht auf, obwohl auch diese Positionen vielerorts schwer zu besetzen sind.

Nur jeder Siebte will überhaupt führen

Der Mangel an Führungskräften liegt weniger an fehlender Qualifikation als an der begrenzten Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. In einer repräsentativen Befragung von mehr als 3.100 Beschäftigten ohne Führungsfunktion gab lediglich jede beziehungsweise jeder Siebte an, sich grundsätzlich vorstellen zu können, eine Leitungsposition zu übernehmen, wenn der Arbeitgeber sie anbieten würde. Das entspricht nur 14 Prozent der Befragten.

Weitere 40 Prozent könnten sich eine solche Rolle nur unter bestimmten Bedingungen vorstellen. Ein großer Teil der Beschäftigten lehnt Führungsaufgaben dagegen grundsätzlich ab oder zeigt sich unentschlossen. Unterschiede zeigen sich auch zwischen verschiedenen Beschäftigtengruppen: Männer äußern im Durchschnitt häufiger Interesse an einer Führungsposition, während Teilzeitbeschäftigte und Frauen deutlich zurückhaltender sind.

Arbeitsbelastung schreckt viele ab

Am häufigsten für ihrer Karrierezurückhaltung nennen Beschäftigte die erwartete Arbeitsbelastung: 77 Prozent sehen darin einen zentralen Hinderungsgrund. Dahinter folgen die große Verantwortung, die mit Führungsaufgaben verbunden ist (75 Prozent), sowie die Sorge um eine schlechtere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (73 Prozent).

Auch andere Faktoren spielen eine Rolle: Knapp die Hälfte der Befragten nennt zu geringe finanzielle Anreize oder befürchtet, dass sich das Verhältnis zu bisherigen Kolleginnen und Kollegen verändern könnte. Insgesamt habe sich offenbar die Wahrnehmung von Führung geändert, so die Studienautoren. Aufgaben, die früher stärker mit Status oder Privilegien verbunden waren, werden heute häufiger mit zusätzlicher Belastung und Verantwortung assoziiert.

Was Beschäftigte von Führung erwarten

Die Studie zeigt auch zugleich, unter welchen Bedingungen Führungsrollen für Beschäftigte denn attraktiver sein könnten. Für diejenigen, die sich grundsätzlich für eine Führungsposition interessieren, steht eine attraktive Vergütung an erster Stelle: 95 Prozent nennen ein hohes Gehalt als wichtigen Anreiz.

Daneben spielen größere Gestaltungsspielräume und Entscheidungsfreiheit eine wichtige Rolle. Viele Beschäftigte, die mit einem Karrieresprung liebäugeln, verbinden mit Führung die Erwartung, eigene Ideen umzusetzen und ihren persönlichen Führungsstil entwickeln zu können. Auch Weiterbildungsmöglichkeiten, Aufstiegsperspektiven sowie Anerkennung und Wertschätzung werden häufig als relevante Faktoren genannt. Auch die organisatorischen Rahmenbedingungen von Führung, etwa Modelle wie Teilzeitführung, Jobsharing oder flexible Arbeitszeiten werden insbesondere von Frauen als wichtige Voraussetzungen genannt.

Niedrigschwellige Einstiege in Führung

Neben den Rahmenbedingungen spielt bei der Entscheidung für oder gegen einen Chefposten auch der Weg in eben diese Führungsposition eine Rolle. Viele Beschäftigte empfinden den Schritt in eine Leitungsfunktion oft als zu abrupten Übergang zu deutlich mehr Verantwortung. Laut Studie könnten darum Einstiegsmodelle wie stellvertretende Führungspositionen, Mentoring oder Coaching diesen Übergang erleichtern. Solche Formate würden es Beschäftigten ermöglichen, Führungsaufgaben schrittweise kennenzulernen und entsprechende Kompetenzen aufzubauen, bevor sie eine vollständige Leitungsfunktion übernehmen.

red


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