Wie fühlen sich Mitarbeitende wirklich in ihrem Unternehmen? Was halten sie von Führung, Strategie und Zusammenarbeit in ihrer Firma? Mit einem neuen Datentool macht kununu Unternehmenskultur erstmals systematisch vergleichbar. Besonders der Blick auf die Automobilbranche zeigt, wie unterschiedlich kulturelle Wahrnehmungen selbst bei starken Marken ausfallen können.
Im Ringen um Talente und Zukunftsfähigkeit wird Unternehmenskultur zunehmend zu einem strategischen Faktor. Mit dem jüngst veröffentlichten "Kulturscan" hat das Arbeitgeberbewertungsportal kununu eine neue Form der Messung und Visualisierung dieser Kultur eingeführt, die mehr ist als ein weiterer Score. Sie erlaubt einen datenbasierten Blick in die kulturelle DNA von Unternehmen – direkt aus der Wahrnehmung der Mitarbeitenden heraus.
Zugrunde gelegt werden beim Kulturscan die Beurteilungen von Mitarbeitenden und Bewerbenden, die zuvor aus einem Katalog von rund 160 Wertbegriffen jene ausgewählt haben, die ihren Arbeitsalltag im jeweiligen Unternehmen am besten beschreiben. Diese Begriffe werden vier zentralen Kulturdimensionen zugeordnet: Führung, strategische Richtung, Work-Life-Balance und Zusammenarbeit. Aus der Vielzahl dieser Einzelbewertungen entsteht ein verdichtetes Bild davon, wie die Unternehmenskultur tatsächlich erlebt wird. .
Der Ansatz unterscheidet sich damit deutlich von klassischen Arbeitgeberrankings oder Imagekampagnen. Der Kulturscan misst nicht, wie Unternehmen sich selbst positionieren, sondern wie konsistent Anspruch und Wirklichkeit aus Sicht der Beschäftigten zusammenpassen. Gerade für Führungskräfte und HR-Verantwortliche entsteht so ein Instrument, das kulturelle Stärken und Spannungsfelder sichtbar macht.
Mit dem interaktiven Tool kann nun jeder Unternehmen verschiedener Branchen vergleichen. Besonders aufschlussreich ist der Blick auf jene Wirtschaftsbereiche, die unter hohem Transformationsdruck stehen. So zeigen zum Beispiel in der Automobilindustrie die Kulturscan-Daten deutliche Unterschiede zwischen den großen Herstellern (s. Grafik oben). In der Dimension strategische Richtung schneiden BMW und Porsche über dem Branchenmedian ab. Beschäftigte nehmen dort die Zukunftsausrichtung ihres Unternehmens also klarer wahr als bei anderen Herstellern. Volkswagen und Audi liegen näher am Durchschnitt, was eine eher negative Einschätzung hinsichtlich der strategischen Orientierung durch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet.
Diese unterschiedlichen Beurteilungen fallen in eine Phase tiefgreifender Umbrüche der Konzerne: Elektromobilität, Digitalisierung und neue Mobilitätskonzepte verändern Geschäftsmodelle, Strukturen und Rollenbilder. Wo strategische Leitplanken klar kommuniziert und kulturell verankert sind, scheinen Mitarbeitende mehr Orientierung zu finden – ein Faktor, der auch in Sachen Fachkräfte-Bindung an Bedeutung gewinnt.
In der Dimension Führung zeigt der Kulturscan dagegen ein vergleichsweise homogenes Bild. Über alle betrachteten Automobilhersteller hinweg wird Führung überwiegend als solide, aber selten als außergewöhnlich inspirierend wahrgenommen. Der Befund legt nahe, dass traditionelle Führungsmodelle in der Branche weiterhin prägend sind, auch wenn sich Arbeitsformen und Erwartungen bereits verändern.
Deutlichere Unterschiede zeigen sich wiederum bei der Work-Life-Balance:. BMW und Porsche werden hier überdurchschnittlich bewertet, besonders im Punkt Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Flexible Arbeitsmodelle und eine entsprechende Führungskultur scheinen dort im Alltag stärker anzukommen als bei anderen Herstellern, die sich näher am Branchendurchschnitt bewegen.
In der Zusammenarbeit schließlich zeigt sich ein eher stabiles, aber wenig differenziertes Bild. Teamarbeit und kollegiale Unterstützung werden grundsätzlich in allen Unternehmen positiv wahrgenommen, ohne dass eine Firma klar hervorsticht. Gleichzeitig zeigt dieses Ergebnis aber auch, dass in großen Konzernstrukturen noch Potenzial besteht, Zusammenarbeit agiler, transparenter und vernetzter zu gestalten.
Der Kulturscan steht unter diesem Link zum Ausprobieren bereit.
red